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Eva Werdenich-Maranda (1950 – 2025)

Im Reich der Zeichen
kuratiert von Thomas Mießgang                             

Ausstellungseröffnung                  Donnerstag, 16. April 2026 | 19:30 Uhr

Es spricht                                        Thomas Mießgang

Ausstellungsdauer                         16|04|2026 - 16|05|2026


Eva Werdenich-Maranda – Im Reich der Zeichen

Die künstlerische Arbeit von Eva Werdenich-Maranda zerfällt in mehrere Subkategorien, die auf den ersten Blick wenig miteinander gemeinsam zu haben scheinen: Da sind einmal Zeichnungen von phantastischen Landschaften, aus denen rätselhafte geometrische Figuren und zoomorphe Gestalten mit Insektenaugen wachsen wie geologische Formationen.
Dann gibt es die Gruppe der Maschinenzeichnungen, deren einzelne Elemente durch komplexe Verbindungssysteme verknüpft sind und die wie gigantische Pläne zur Verschaltung der Welt aussehen. Schließlich noch die vielleicht wichtigste Hinterlassenschaft der Künstlerin: Keramikarbeiten in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Größen, von der Kleinplastik bis zu Werken, die auch im öffentlichen Raum Wirkung entfalten können. Wenn man Selbstzeugnisse der Künstlerin heranzieht, dann gibt es allerdings doch einiges, was die vermeintlich auseinanderschießenden ästhetischen Setzungen zusammenhält. Es gehe ihr darum, hat Eva Werdenich einmal geschrieben, „Verbindungslinien herzustellen, die das Archaische aufgreifen, aber in ihrer endgültigen Ausformung zeitgenössisch sind.“
Außerdem sei ihre Arbeit auch „eine Auseinandersetzung mit Kommunikation = Sprache, Schrift, Zeichensetzungen.“

Die Welt in ihren erratischen Erscheinungsformen ästhetisch zu entschlüsseln oder zumindest in ihrer Mannigfaltigkeit durch unterschiedliche künstlerische Strategien ansichtig zu machen, mag der Impuls gewesen sein, der Werdenichs Arbeiten immer wieder neue Gestaltungsparadigmen auferlegt hat. 

Während die phantastisch-unwirklichen Kreationen der Zeichnungen, die wie künstlerische Ausgestaltungen von Mythen oder Traumvisionen wirken, eine gewisse Nähe zur Wiener Schule des phantastischen Realismus erkennen lassen, sind die überwiegend aus Schamott, einem künstlich hergestellten Werkstoff aus gebranntem Ton hergestellten Keramiken eher an das reduzierte, geometrische Vokabular der Minimal Art angelehnt – vollziehen aber dort ihre eigenen, idiosynkratischen Zeichensetzungen. Auch die Faszination der Künstlerin von der zeremoniellen japanischen Formensprache und der inhaltlichen Verdichtung wie sie etwa im Haiku zum Ausdruck kommt, spielen mit hinein. Es ist somit kein Zufall, dass Eva Werdenich einige Mal zu Ausstellungen in Japan eingeladen wurde, wo auch das Kunstmuseum in Kurashti Arbeiten von ihr besitzt.

Formal sind die Schamottarbeiten sehr unterschiedlich ausgestaltet: Es gibt geschlitzte Rundformen, die an Früchte erinnern, eher flache Wandskulpturen mit geriffelten, unruhigen Oberflächen, die von Eva Werdenich ohne Verwendung von Glasuren von Hand bearbeitet wurden. Bei manchen Kleinplastiken sind Stäbchen oder Stacheln eingesetzt, die sich zu Feldern organisieren und im Sinne von Morsecodes oder historischen Telefon-Steckbrettern Kommunikationswege aufzuschließen scheinen. Gerade diese Arbeiten erfüllen eine Forderung, die die Künstlerin an sich selbst gestellt hat: „Dem Material Leichtigkeit und Transparenz geben. Eine Gegenüberstellung von kompakter, massiver Form mit Fast-Entmaterialisierung und Schwerelosigkeit anstreben.“

Zum Formenrepertoire von Eva Werdenich zählen auch zylindrische Figuren sowie oben gerundete Platten, die an Grabsteine erinnern, deren Inschriften so verwittert sind, dass man sie nicht mehr entziffern kann. Sehr häufig finden sich auch Pyramiden, deren unterschiedliche Größen und Erscheinungsmodalitäten die Künstlerin in zahlreichen Zeichnungen vorstrukturiert hat. Fast zwangsläufig denkt man dabei an den Monolithen aus Stanley Kubricks Film „2001 - Odyssee im Weltraum“, der in die prähistorische Welt der Eröffnungssequenzen teleportiert wird und Botschaften aus einer fremden Welt durch Zeit und Raum zu bewegen scheint. So ähnlich lässt sich auch das gesamte ästhetische Programm von Eva Werdenich-Maranda beschreiben: Inspiriert von ihrem Interesse für Archäologie und für die Entstehungsgeschichte von Sprache und Schrift spürt sie archaischen Zeichen in zeitgenössischen Szenarien nach. Sie will mit ihrer Kunst hinter den äußeren Schein der Welt blicken, um verborgene Geheimnisse aufzudecken und einen Zugang zur Wahrheit zu ermöglichen. 

Eva Werdenichs keramisch-skulpturales Werk ist zum einen der Versuch, im Rahmen eines strategisch begrenzten Formenrepertoires höchste Konzentration und Vollendung anzustreben. Zum anderen aber geht es ihr darum, durch Inskriptionen in die existentielle Matrix der Dinge jene Urtexte zu entbergen, die den innersten Kern des Menschlichen determinieren.
(Thomas Mießgang)



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